Neuroplastische Syndrome

Wie das Nervensystem Symptome im Körper beeinflussen kann – und welche Wege es heraus gibt

Sie leiden unter chronischen Beschwerden wie anhaltenden, sich verändernden oder wandernden Schmerzen, die kaum auf herkömmliche Therapien oder Schmerzmedikamente ansprechen? Oder unter Symptomen, die sich nach einem Therapieversuch nur kurzzeitig bessern und dann scheinbar therapieresistent werden? Werden Ihre Symptome bei Stress und emotionalen Belastungen intensiver? Plagen Sie sich seit Jahren damit herum und bisher konnte keine nachhaltige Ursache gefunden werden?

In der modernen Mind-Body-Medicine wird in solchen Fällen untersucht, ob eine maßgebliche funktionelle oder neuroplastische Komponente vorliegt, bei der das Nervensystem eine zentrale Rolle spielt.

Das Prinzip von Warnsignalen

Wenn wir uns den Zeh stoßen, ist die Quelle sowie der Grund der resultierenden Schmerzen meist eindeutig: Es ist ein Signal des Körpers über eine akute Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit (besonders, wenn es der kleine Zeh war!) und ein entsprechendes Warnsignal in Form plötzlich einschießender Schmerzen daher sinnvoll und folgerichtig. Solche akuten Schmerzen entstehen unmittelbar nach dem Ereignis, lenken kurzzeitig unsere gesamte Aufmerksamkeit auf die Gefahrensituation und klingen in der Regel mit der Heilung des Gewebes wieder ab. Das Symptom hat damit seinen biologischen Zweck erfüllt.

Wenn die Eindeutigkeit fehlt

Doch viele Menschen leiden unter chronischen Symptomen, deren Ursache organisch nicht eindeutig zuzuordnen ist. Viele Betroffene suchen jahrelang nach körperlich-strukturellen Auslösern ihrer Beschwerden. Manchmal werden diffuse Befunde erhoben, manchmal nicht – oft bleibt jedoch Unklarheit über die eigentliche Ursache, und Therapien beschränken sich häufig auf die reine Symptomlinderung durch Medikamente.

Die Rolle des Gehirns bei der Symptomregulation

Um zu verstehen, warum manche Symptome chronifizieren, betrachten wir in unserem Ansatz das Zusammenspiel von Psyche und Körper als funktionelle Einheit. Das Gehirn verarbeitet ununterbrochen Reize und kann in bestimmten Situationen Symptome als Schutz- oder Warnsignale aussenden.

Aus neurobiologischer Sicht sind Schmerzen und andere funktionelle Beschwerden komplexe Wahrnehmungen, die im Zentralnervensystem verarbeitet und evaluiert werden. Der Schmerz entsteht als Bewertungsprozess im Gehirn und wird sensorisch in die entsprechende Körperregion projiziert. Das Nervensystem steuert somit maßgeblich, wie intensiv ein Reiz wahrgenommen wird.

Das Phänomen der Neuroplastizität

In akuten Fällen gibt es meist einen direkten Zusammenhang zwischen einem physischen Reiz und der Schmerzwahrnehmung. Bei chronischen Beschwerden kann sich dieses System jedoch verändern: Das Gehirn besitzt die Fähigkeit, sich durch wiederkehrende Erfahrungen anzupassen und neuronale Pfade zu bahnen. Diese Eigenschaft wird Neuroplastizität genannt. Bei chronischen Schmerzsyndromen kann diese Plastizität dazu führen, dass das Nervensystem hochsensibel reagiert und Schmerzsignale weiterleitet oder verstärkt, selbst wenn kein akuter, struktureller Gewebeschaden (mehr) vorliegt. Das System hat gelernt, auf „Alarm“ zu schalten.

Ein Mechanismus, verschiedene funktionelle Ausprägungen

Diese veränderte Reizverarbeitung im Nervensystem kann sich in der Praxis in ganz unterschiedlichen körperlichen Systemen zeigen. Aus Sicht der Mind-Body-Medicine und der aktuellen Forschung werden neuroplastische und funktionelle Komponenten unter anderem bei folgenden Beschwerdebildern diskutiert1:

  • Fibromyalgie und diffuse Gelenkschmerzen

  • Chronisches Erschöpfungssyndrom (Fatigue)

  • Funktionelle Schlaf- und Angststörungen

  • Begleitende Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

  • Reizdarm- und Reizblasensyndrom

  • Migräne und chronische Kopfschmerzen

  • Parästhesien (funktionelle Taubheits- oder Kribbelgefühle)

  • Funktionelle Herzbeschwerden (wie anfallsweises Herzrasen ohne organischen Befund)

Die Mind-Body-Medicine

Die Mind-Body-Medicine bietet einen integrativen Ansatz, der genau an dieser Schnittstelle von Nervensystem, Wahrnehmung und emotionaler Regulation ansetzt, um die körpereigene Anpassungsfähigkeit zu unterstützen.

Wenn Sie diesen therapeutischen Ansatz für sich entdecken möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin für ein orientierendes Erstgespräch in meiner Praxis.

1 vgl. Psychophysiologische Störungen – A. Abbass & H. Schubiner. Verlag W. Kohlhammer, 2020. S. 23 f, S. 36., S. 39f.

Rechtlicher Hinweis: Bei der hier vorgestellten Mind Body Medicine handelt es sich um ein Verfahren der komplementären Medizin. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Mind Body Medicine in Deutschland nicht zu den allgemein anerkannten Methoden im Sinne der wissenschaftlich validierten Schulmedizin gehört. Alle getroffenen Aussagen über Eigenschaften, Wirkungen oder Anwendungsbereiche beruhen auf den Erkenntnissen und Erfahrungswerten der therapeutischen Fachrichtung selbst. Aus den Beschreibungen lässt sich kein Heil- oder Linderungsversprechen ableiten. Die Anwendung der Methoden ersetzt in keinem Fall eine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung bei akuten oder chronischen Erkrankungen. 

Wenn Sie Fragen dazu haben, können Sie gerne jederzeit Kontakt mit mir aufnehmen.

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