Wie hängen Mind Body Medicine (MBM) und ISTDP-Psychotherapie zusammen?

Wenn Gefühle körperlich werden – das Zusammenspiel von Emotionen und Psyche

Innerhalb meines Behandlungsmodells bilden MBM und ISTDP-basierte Psychotherapie verschiedene Ebenen eines integrativen Ansatzes. Sie unterstützen sich gegenseitig synergistisch und gehen teilweise fließend in einander über.
Es gibt eine Unzahl von symptomatischen Erscheinungen, die durch das Nervensystem hervorgerufen werden und als Mind-Body Phänomene verstanden und behandelt werden können. Darunter befinden sich häufige Symptome wie chronische Schmerzen, Kopf­schmerzen, Migräne, Schwindel, Tinnitus, chronische Erschöpfung/Fatigue, Reiz­darm­syndrom, Reizblase, Depressionen und viele weitere1.

Viele Symptome, keine Ursache

Viele der Patienten und Patientinnen mit psychophysiologischen Syndromen haben bereits eine lange Liste möglicher, körperlicher Ursachen ihrer Symptome, aber keine handfesten Beweise. Ihre Symptome schwanken, wandern und sie haben Symptome, die, wären sie körperlich, auf Erkrankungen in gleich mehreren Organsystemen hin­weisen würden – was sehr unwahrscheinlich ist, da diese Patienten ansonsten gesund und mehr oder weniger in einem jungen Alter sind. Dazu kommt, dass das (erstmalige) Auftreten ihrer Symptome in beinahe jedem Fall mit einem belastenden Lebensereignis in zeitlichem Zusammenhang steht.

Ein dysreguliertes Nervensystem

Die zentrale Erkenntnis, auf dem die MBM und mein Behandlungsmodell fußen, ist, dass ein dysreguliertes Nervensystem alle möglichen Arten von Symptomen im Körper erzeugen kann. Mehr dazu können Sie auf meiner Unte­rseite zur Mind-Body-Medicine und in meinen anderen Blogartikeln lesen. Hier soll es nun darum gehen, wie die ISTDP dazu beiträgt, Spannungen aus dem Nerven­system zu entladen, die bis dahin zu chronischen Symptomen geführt haben.

Ein neuer Ansatz für eine alte Erkenntnis

Der Ursprung der Synergie zwischen ISTDP und MBM ist historisch entstanden und beruht auf der Beobachtung Habib Davanloos (des Begründers der ISTDP), dass körperliche Symptome seiner Patienten verschwanden, nachdem ihre inner­seelischen, emotionalen Konflikte bearbeitet und bereinigt wurden. Ihre Symptome hatten oftmals eine symbolische Signifikanz, die als Ausdruck des unter­liegenden Konfliktes verstanden werden konnten. Erst nach dem emotionalen und körperlichen Wieder­erleben und umfassenden Verstehen des emotionalen Konfliktes konnte das Nerven­system damit aufhören, sich über das körperliche Symptom ausdrücken zu müssen.

Diese Erkenntnis ist uralt und weit verbreitet und hat Einzug in verschiedene Therapieansätze gefunden. Was die ISTDP einzigartig macht, ist ihr systematischer und ziel­gerichteter Zugang zur unterliegenden Problematik und die Arbeit auf allen Ebenen des Menschen – Körper, Seele und Geist.

Dies hat auch der Vater der heutigen MBM Robert Sarno erkannt, nachdem er einen Vortrag Davanloos in New York besucht hatte. Seiner persönlichen Mitteilung zufolge sprach er Davanloo daraufhin an und sagte, er bräuche diese Therapie für seine somatisierenden Patienten! Heute arbeiten die Schüler dieser beiden Gründer (z.B. Howard Schubiner und Allan Abbass) eng zusammen, um ein umfassendes Programm für psycho­somatische, psycho­physiologische, neuro­plastische und psychische Beschwerden zur Verfügung zu stellen.

Mein Behandlunsmodell im einzelnen

In meinem Behandlungsmodell (s.u.) gehe ich schrittweise vor. Wir arbeiten uns gemeinsam vom Allgemeinen ins Spezielle vor und kreisen so immer weiter ein,

  • welche Ihrer Symptome wahrscheinlich ganz oder teilweise neuroplastisch, d.h. vom Nervensystem erzeugt sind,
  • welche äußere Gefahr vom Nervensystem registriert wird und die Grundlage des Anspannungszustandes bildet, oder
  • welcher seelische Konflikt vom Nervensystem als Gefahr bewertet wird,
  • wie der Zusammenhang zwischen dem innerseelischen, emotionalen Konflikt und dessen körperlichem Ausdruck ist,
  • welche Denk- und Verhaltensweisen den Teufelskreis aus Symptomen, Anspannung und mehr Symptomen aufrechterhalten
  • ob es emotional unverarbeitete Erlebnisse gibt, die sich negativ auswirken und
  • ob diese emotionalen Konflikte einer Bearbeitung durch eine ISTPD-Psychotherapie zugänglich sind.

Diesen Vorgang finden Sie in dem abgebildeten Behandlungsschema über drei Stufen wieder:

  1. zuerst werden die verschiedenen Symptome aufgenommen, dann
  2. eine spezifische Diagnostik der psychophysiologischen und neuroplastischen Anteile durchgeführt, sowie erste kognitive und verhaltenstherapeutische Techniken erarbeitet, mit denen Sie selber Ihr Nervensystem regulieren können.
  3. Je nach Zugänglichkeit und persönlichen Präferenzen können wir daraufhin mit den Techniken der ISTDP die in der Tiefe der Seele festsitzenden Konflikte auflösen, welche überhaupt erst zu der Dysregulation des Systems Körper-Geist-Nervensystem geführt haben.

Behandlungsschema, in dem über mehrere Stufen von einer neuroplastischen Diagnostik über kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden zur ISTDP Tiefenpsychologie vorgegangen wird

 

Synergistische Effekte

Alle Teile des Behandlungssystems unterstützen sich gegenteilig und führen zu syn­ergistischen Effekten, die, immer unterstützt von der intrinsischen Selbstheilungs­kraft, den Prozess der chronischen Symptome unterbrechen und zu einer positiven Feed­back­schleife führen können; allein das Verständnis, dass mit dem Körper alles OK ist sowie erste Behandlungserfolge stärken das Vertrauen in den eigenen Körper und die Fähigkeiten der Selbstregulation, was Stress und Angst aus dem System nimmt sowie weniger sorgenvolle Beschäftigung mit den Symptomen nach sich zieht, was wieder­um die neuroplastischen Symptome verringert usw. usf.

Auf diesem Weg möche ich Sie begleiten – damit Sie wieder ein Leben führen können, dass sich um Sie und Ihre Vorstellung von Glück dreht – und nicht um eine andauernde Beschäftigung mit körperlichen Symptomen.


1 Psychophysioloische Störungen. Howard Schubiner & Allan Abbass, W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2018. S. 36.

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